Eine berühmte Schankwirtschaft, die keine war

In den 60er und 70er Jahren gab es im ARD-Fernsehen eine Sendung, die in einer hessischen Schankwirtschaft spielte. Diese hieß zum Blauen Bock und war wohl die bekannteste Apfelweingaststätte der Republik, auch wenn sie für jede Sendung neu aufgebaut wurde. Was sie so erfolgreich machte, war die familiäre Atmosphäre die durch die Gastgeber geschaffen wurde. Zunächst leitete Otto Höpfner die Schankwirtschaft, später wurde dann Lia Wöhr die offizielle Wirtin, unterstützt von Heinz Schenk und Reno Nonsens. Letztere waren eigentlich nur Oberkellner, selbst wenn Schenk Moderator der Sendung und damit tonangebend war.

Der Blaue Bock war die erste Sendung, die vom Hessischen Rundfunk in Farbe ausgestrahlt wurde. Das Konzept war, dass man die Wirtschaft in den Stadthallen hessischer Städte und Gemeinden als Kulisse in der Stadthalle aufbaut und die Bewohner die Gäste spielen. Auch wenn das gesamte Ambiente künstlich war, fühlten sich die Besucher doch wie in einer hessischen Apfelweinkneipe.

Wie ein altes Ehepaar

Das Zusammenspiel zwischen Schenk und Lia Wöhr unterstützte noch den Eindruck von Familienbetrieb und Wirtsfamilie, selbst wenn sich beide immer siezten. Später wurde Schenk zum Geschäftsführer des Blauen Bock und trug einen Trachtenanzug. Herr Nonsens trug immer eine Kellner-Uniform. Die hessische Gastwirtschaft war bei den Zuschauern sehr beliebt, bis zu 20 Millionen Menschen sahen zu, wie gemeinsam gesungen und gebabbelt wurde. Es war eine großartige Werbung für den oft verspotteten Apfelwein und Schankwirtschaften, wie man sie in den Obst- und Weinanbaugebieten fand. Die meiste waren Familienbetriebe und freuten sich über die kostenlose Werbung für ihre Branche.

Die Sendung gab es über 20 Jahre lang, es traten prominente Sänger, Schauspieler und Nachrichtensprecher auf. Oftmals wurden sie sogar genötigt, mit Schenk zusammen zu singen – so wie man es eben auch in einem Familienbetrieb nach einem schönen Abend machen würde. Im Jahr 1987 wurde der Blaue Bock das letzte Mal ausgestrahlt. Er war übrigens Vorbild für das Musikantenstadl.